Vom Missverständnis zum Verständnis der Low und High Context Kulturen:


Wie Sie Missverständnisse mit fremden Kulturen vermeiden und interkulturelle Kommunikation für Ihre Zwecke in internationalen Geschäftsbeziehungen und Auslandsaufenthalten nutzen können.

Communication WE

 

 

„Missverständnis ist die häufigste Form menschlicher Kommunikation“

sagte Peter Benary, ein schweizer Wissenschaftler, und er meinte dabei nicht mal interkulturelle Kommunikation, die noch mehr Probleme und Konfliktpotential mit sich bringt und aufgrund vor Stereotype manchmal, bevor sie beginnt, schon zum Scheitern verurteilt ist.

 

Wie schaffst Du es, mit anderen Kulturen erfolgreich zu kommunizieren, Fettnäpfchen zu vermeiden und Dich verständlich zu machen?

Das Wort „Kommunikation“ kommt aus dem Lateinischen „communicare“ und bedeutet teilen, mitteilen, gemeinsam machen. Du teilst Dich mit und trittst in Austausch mit einer oder mehreren Personen. Es findet eine Interaktion statt. Wenn wir innerhalb desselben Kulturkreises kommunizieren, ist es noch verhältnismäßig einfach. Treffen wir auf Personen aus anderen Kulturen, kommt es während der sogenannten interkulturellen Kommunikation oft zu Missverständnissen und Problemen, die oft zum Beginn uns gar nicht bewusst sind, sondern sich erst nach einiger Zeit offenbaren. Dabei spielt eine Reihe von Faktoren und Kulturmerkmalen eine Rolle. In diesem Artikel erfährst Du über einen der wichtigsten kulturellen Unterschied, dessen Kenntnis, Dich dabei unterstützt, die interkulturellen Missverständnisse zu vermeiden und eine größere Anerkennung für Deine Ideen bei den Menschen aus anderen Ländern zu schaffen.

 

Es ist die Unterscheidung zwischen dem High- und Low- Kontext Kulturen.

 

In der High-Kontext-Kommunikation,

ist, wie der Name schon sagt, der Kontext des Gesagten von großer Bedeutung. Das was gemeint ist, wird oftmals nicht direkt angesprochen, sondern zwischen den Zeilen vermittelt und auf der Empfängerseite entschlüsselt. Es wirkt für die Personen, die klare Ansagen bevorzugen und lieber „schnell auf den Punkt kommen“, wie „um den heißen Brei geredet“. Es geht weniger um die Sache an sich, sondern viel mehr wird der Kontext, d.h. zum Beispiel die aktuelle persönliche Situation, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Erzeugung einer angenehmen Atmosphäre, das Bedürfnis nach dem Gesichtwahren des Gesprächspartners berücksichtigt. Um sich in der Komplexität dieser Kommunikationsart nicht zu verlieren und das Gesagte richtig zu deuten, sind entsprechende Fähigkeiten wie das Know-How über den kulturellen Hintergrund und das Fingerspitzengefühl notwendig. Die lassen nicht alleine durch Lesen eines Artikels gewinnen, sondern erfordern Training und Übungen. So viel als Vorwarnung. Wenig Trost bietet der Fakt, dass in den meisten Ländern der Welt deutlich indirekter und vorwiegend High-Kontext kommuniziert wird, und der deutsche geradlinige Gesprächsstill von vielen als frech, beleidigend bis zum aggressiv empfunden wird. Unsere Ehrlichkeit und Effizienz beim Erledigen von Aufgaben und in Verhandlungen gehen nach hinten los, wenn die andere Person aus einem anderem Kulturkreis sich daran gestört oder angegriffen fühlt, auch wenn wir gute Absichten hatten und es auf keinem Fall böse gemeint haben. Es spielt kaum eine Rolle, denn bei Kommunikation kommt eben viel mehr darauf an, was beim Empfänger ankommt.

Als Faustregel kannst Du Dir merken, dass die meisten Gesprächspartner mit einem anderem (sei es asiatischen, arabischen, skandinavischen, osteuropäischen, südländischen und auch angelsächsischen) kulturellen Hintergrund sich eher für eine höfliche und indirekte als eine ehrliche und direkte Ausdrucksweise entscheiden werden. Dies zu bewerten, möchte ich an dieser Stelle nicht. Es ist so, wie es ist. Punkt. Schärfe aber deswegen deine Sinne und deine Beobachtungsgabe. Versuche nonverbale Botschaften zu interpretieren und „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Achte nicht nur darauf, was Gesagt, sondern auch darauf, was (absichtlich) nicht gesagt wurde (insbesondere beim Feedback/ Kritik/ Loben/ wagen Zu- bzw. Absagen). Schweigen interpretieren wir in unserer deutschen Low-Kontext-Kultur meistens als Zustimmung, nach dem Motto „Wenn jemand etwas dagegen hätte, würde sich schon melden“. In den High Kontext Kulturen heißt Schweigen „Nein“, denn es gilt als unhöflich jemanden direkt ins Gesicht abzusagen oder zu wiedersprechen. Deswegen beachte dort die verdächtigt vorkommende und bedeutsame Stille, Gesten und Mimik sowie den Ton der Aussage deines Gegenübers, um die Botschaft richtig zu entziffern.

 

Um den Kontext einfacher zu ermitteln, oder wie man das auf Japanisch bezeichnet „die Luft zu lesen“, können Dir die folgenden sechs W-Fragen weiterhelfen:

  1. Was wird gesagt (der Wortlaut) und was verschwiegen?
  2. Wie wird es gesagt (Betonung, Mimik, Gesten)?
  3. Wer sagt es (Rolle der Person)?
  4. Warum sagt es jemand? (der Absicht und Zusammenhang wie zum Beispiel wurde die Person gefragt oder sagt die es von sich aus)?
  5. Wo wird es gesagt (Ort des Gesprächs)
  6. und in wessen Anwesenheit, das heißt kann jemand mithören bzw. mitlesen?

 

High Context Kommunikation kommt überwiegend in kollektivistischen, d.h. gruppenorientierten Kulturen vor.

Ohren spitzen und auf non verbale Signale achten solltest Du deswegen insbesondere im asiatischen Raum, Afrika und Lateinamerika, aber auch in Großbritannien, Skandinavien, Ost und Südeuropa, praktisch fast überall. Wir sind also „die Anderen“.

 

Low Context Kommunikation

Kommen wir zur Charakteristika der viel seltener anzutreffenden Low Context Kulturen mit Deutschland als Paradebeispiel an der Spitze. Diese bevorzugen einen direkten Kommunikationsstil, in dem man sich so klar wie möglich ausdrückt und schnell zur Sache bzw. auf den Punkt kommt. Es wird allgemein bevorzugt und bereits im Kindergarten beigebraucht, das zu sagen, was man meint, ohne unnötig „um den heißen Brei zu reden“ und damit, so die verbreitete Meinung der Deutschen, die Zeit der anderen Person zu verschwenden. (Erinnerst Du Dich noch and die andererseits gegensätzliche Betrachtungsweise als „Investition in die zukünftige Beziehung“?) Da der Kontext des Gesprächs in Deutschland kaum oder nur selten und dann nur eine geringe Rolle spielt, ist es nicht notwendig, Nonverbales aus dem Gesagten herauszufiltern. Auch Kritik wird direkt geäußert und negative Gefühle oder Nachrichten, Unbehagen und gegensätzliche Meinungen werden sprachlich „unverschlüsselt“ vermittelt. Hier trägt der Sprecher die Verantwortung dem Empfänger bzw. Zuhörer gegenüber, dass dieser seine Botschaft versteht, ohne sie interpretieren und groß auf den Kontext des Gesagten achten zu müssen. Diese Art zu kommunizieren ist üblich für individualistische Kulturen, in denen der Mensch viel mehr nach Selbstverwirklichung und Autonomie strebt und nicht so sehr von anderen Personen abhängig ist oder sich gewöhnlich an die Gruppe anpassen muss, wie das in den kollektivistischen Kulturen der Fall ist.

 

Wenn Du jedoch Erfolg in der Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen haben willst, gilt es, die Perspektive zu wechseln und wo nötig, die Kommunikationsform anzupassen. Die Meister in Verhandeln, Überzeugen und Kommunizieren wissen, dass je flexibler Du reagieren und nach Bedarf den Stil wechseln kannst, desto einfacher wird es Dir fallen, Dich verständlich zu machen und das Gewollte zu erreichen. Die Kommunikation ist eben das, was bei dem Empfänger ankommt.

 

Viel Erfolg bei der Kommunikation in Hight Kontext Kulturen!