Erfahrungsbericht: Italienisch Sprachkurs in Rom


Alexandra Pfisterer

Schon bei Reisen in das Sehnsuchtsland des dolce vitas als Kind löste Italien, seine Kultur, seine Menschen und seine Mentalität ein wohlig warmes Gefühl aus.

Als ich nach dem Abitur meine Koffer packte und mich in den Flieger setzte um einen Monat bei einer italienischen Familie in Rom zu verbringen und einen Sprachkurs zu verbringen, ahnte ich schon, dass diese Erfahrung um einiges intensiver und authentischer werden würde. Während es in Deutschland geregnet hat, empfing mich in Rom strahlender Sonnenschein und ein strahlender Taxifahrer, welcher mir auf der Fahrt seine ganze Lebensgeschichte und die halbe seiner Eltern und Großeltern erzählte. Egal ob Taxifahrer, Sitznachbarn im Bus, Bäckereiverkäuferinnen oder Markthändler, alle waren auf einen Schwatz aus, der auch lange dauern kann. Am Anfang war das vielleicht etwas ungewohnt aber es trug dazu bei, dass ich mich sich sofort in den bunten Trubel Roms integriert fühlte.

So manche Verspätungen bei meinen Sprachkursen fielen gar nicht ins Gewicht, weil die Lehrer immer noch später dran waren als ich stellte fest, dass „in 5 Minuten“ in Italien für einen undefinierbaren Zeitraum zwischen 5 und 30 Minuten steht; genauso wie „Wir sehen uns um 8 Uhr“ wohl eher als im Laufe des Morgens bis späten Vormittag zu verstehen ist.

Bei der Qualität des Essens hingegen, verstehen die Römer keinen Spaß. Nur „ristoranti“ mit einer hervorragenden Qualität und einem außergewöhnlichen Preis-Leistungs-Verhältnis werden von den Einheimischen besucht. Bei 9000 Restaurants alleine im Zentrum kann man allerdings auch wählerisch sein. Über das Essen und die nachfolgende Verdauung „la digestione“ reden die Italiener liebend gerne und wenn nötig auch stundenlang. Um letztere anzukurbeln trinken sie gerne einen Espresso, für sie nur caffé, welchen auch ich nicht mehr missen möchte.

Was mir außerdem besonders gefällt, ist die Sensation des Einkaufens: Während bei uns Großstadtladies hauptsächlich bei H&M und Zara einkaufen, haben Italienerinnen zu meist immer noch ihre Lieblinsboutique, ihren Lieblingstaschenhändler etc. Sogar der Friseurbesuch ist ein Spektakel in Rom: Ohne erkennbare Struktur aber voller Leidenschaft wird man stundenlang umsorgt und „Tesoro“, „Amore“ oder „Cara“ (also „Schatz“, „Liebste“ oder „meine Liebe“) genannt.

Das Leben in Italien von dem in Deutschland unterscheidet sich nicht darin, dass die Menschen in Italien weniger arbeiten oder leisten. Sie füllen ihre Freizeit nur bewusster mit Erlebnissen mit „la famiglia“ oder Freunden.

Nach einer bestimmten Zeit, die ich in Rom verbracht habe, habe ich aufgehört, zu viel über alles nach zu grübeln, sondern habe angefangen, die Freuden des Lebens bewusster zu genießen, jeden Bissen Pasta und jeden Schluck Cappuccino dankbar wahrzunehmen genauso wie die Sonne auf meiner Haut oder die tollen Ledersandaletten. Ich habe angefangen, extrovertierter zu sein und offener auf Menschen zuzugehen und mir nicht alles zu Herzen zu nehmen, was jemand sagt

Natürlich haben mich einige Erlebnisse in Italien auch Deutschland vermissen lassen: Das Chaos, der Verkehr, die öffentlichen Verkehrsmittel. All das ist in Deutschland sehr gut organisiert, während man das Gefühl hat, dass die italienischen Busfahrer das Ganze einfach mal auf sich zukommen lassen. Und auch meinen Pass in Rom zu verlieren und gefühlte 15x zwischen sämtlichen Behörden hin und her geschickt zu werden oder diese geschlossen vorzufinden, war wohl nicht mein Highlight.

Als Fazit kann ich feststellen, dass Italien meinen Charakter in vieler Hinsicht positiv beeinflusst hat und wunderschön ist außer man hat in 15 Minuten einen Termin und der Bus kommt einfach nicht. 😉

 

Bericht für Intercultural Success von Alexandra Pfisterer, Studentin von „International Business und Cultural Studies“ an der Universität Passau