#53 Wie hängt das Wohlbefinden und Lebenstempo bei Kulturen zusammen?


Widerspruch in Japan: Rasantes Lebenstempo und dennoch großes Wohlbefinden

Ein schnelles Lebenstempo erhöht das Risiko einer Herzerkrankung und macht einen Menschen gleichzeitig zufriedener? Wie kann das sein?
In dieser Folge stelle ich dir die Studie von Robert Levine vor und verrate Dir außerdem:
+ Warum die Japaner die „schnellsten“ UND gesündesten Menschen sind
+ Wie moralische Werte die körperliche Gesundheit beeinflussen
+ Wie Hilfsbereitschaft und Lebenstempo zusammenhängen
+ Anregungen, wie Du mit Deiner geistigen Einstellung dein körperliches sowie soziales Wohlbefinden steigern kannst
Viel Spaß und tolle Erkenntnisse beim Hören!

 

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

https://itunes.apple.com/us/podcast/id1366874160

https://open.spotify.com/show/1x1qkOIpBPOgW23GdzTCrS?si=6gp_-lqwQd6uVEA4HzGKcQ

 

Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk“ – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näher bringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

In der letzten Folge hast Du erfahren, dass es von der Kultur abhängt, welches Lebenstempo an einem Ort herrscht und wie schnell oder langsam Menschen leben. Außerdem konntest Du in der gestrigen Folge für Dich persönlich einen Test machen, um festzustellen, wie dein persönliches Lebenstempo ist – sozusagen der Schlag deiner eigenen Trommel. In der heutigen Folge geht es um den Zusammenhang zwischen Lebenstempo und Wohlbefinden.

Der US-amerikanische Sozialpädagoge Robert Levine vergleicht in Bezug auf seine Studie Zahlen sowie ihre Wandlungen zu Arbeits- und Urlaubszeiten in Westeuropa, USA, Japan und anderen Ländern der Welt. Außerdem stellt er zur Diskussion, wo die Menschen glücklicher seien und setzt das seelische Wohlbefinden mit Lebenstempo in Verbindung. Sein paradoxes Ergebnis: einerseits seien Menschen an schnellen Orten anfälliger für koronare Herzerkrankungen (schnelles Lebens-tempo wirkt sich also negativ auf körperliches Wohlbefinden aus), andererseits sind sie eher mit ihrem Leben zufrieden. Darüber hinaus führt Levine eine Forschung durch, um Lebenstempo und soziales Wohlbefinden (damit meint er insbesondere Hilfeleistungen) in eine Relation zueinander zu bringen. Die Hilfsbereitschaft überprüft er mit seinen instruierten Studenten anhand von sechs auf den Straßen von Großstädten nachgespielten Situationen:

1) einen verlorenen Stift wiederbekommen

2) verletztes Bein

3) ein Blinder überquert die Straße

4) Wechselgeld für einen Vierteldollar

5) verlorener Brief

6) Spenden für United Way.

In der Schlussfolgerung sind auch Menschen mit einem schnellen Lebenstempo durchaus fähig, Zeit für andere aufzuwenden. Außerdem ist ein langsames Lebenstempo keine Garantie dafür, dass die Menschen einen sozialen Idealismus praktizieren würden. Vielmehr hängt die Hilfsbereitschaft vom Moralkodex und dem sozialen Geflecht ab.

Allerdings gibt es eine Ausnahme. In Bezug auf den Zusammenhang zwischen Zeit und körperlichem Wohlbefinden weist Japan eine Widersprüchlichkeit auf. Das Lebenstempo in Japan gehört zu den rasantesten auf der Welt. Schnelligkeit nimmt in der japanischen Werthierarchie einen hohen Platz ein. „Arbeitssucht“ wird als Tugend betrachtet und Arbeitseifer ist die gängige Lebensart. Trotzdem sterben in Japan beachtlich weniger Menschen an Herzinfarkt als in vergleichbaren „schnellen“ Ländern des Westens (auch wenn man die üblichen Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen wie Rauchen und Ernährung berücksichtigt). Eine Erklärung dafür liefert nach dem Forscher Levine ein kollektivistisches Wertesystem Japans, das Treue und Hingabe an die Gruppe und Harmonie betont. Von den Arbeitskollegen, die nicht als Konkurrenz gelten, sondern meistens zu engen Freunden gehören, bekommt man soziale und emotionale Unterstützung. Japaner haben eine ganz andere Anschauung vom Wettbewerb, insbesondere unter Kollegen. In einer Umfrage wurde unter anderem die Frage gestellt: „Mögen Sie Wettbewerb an Ihrem Platz“. Allerdings hatten die Forscher ein Übersetzungsproblem bei dem Fragebogen, denn die beste japanische Übersetzung dieser Frage war: „Mögen Sie Unhöflichkeit an Ihrem Platz“. Denn Wettbewerb zwischen Kollegen kennen die Japaner in diesem Sinne nicht. Sie sind ihrem Arbeitgeber und ihrem Arbeitsplatz so loyal gegenüber, dass sie nicht daran denken, mit ihren Kollegen zu konkurrieren. Für sie sitzen alle im selben Boot und arbeiten auf dasselbe Ziel hin. Japaner arbeiten hart, lange und gerne für ihre Firma, mit der sie sich zugleich stark identifizieren und in der sie sich geborgen und im Einklang fühlen, weil sie eben gerade in einer kollektivistischen (gruppenorientierten) Gesellschaft leben und Harmonie einen der höchsten Werte darstellt.

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