#34 Direkte und Indirekte Kommunikation 5/5: Ein NEIN erkennen und indirekt äußern


High-Kontext und Low-Kontext Kulturen

In dieser Folge erfährst Du anhand von 7 kurzen aber genialen Beispielen den Unterschied zwischen einer High Kontext Kultur und einer Low Kontext Kultur. Unter anderem erkläre ich

+warum man ein JA in anderen Ländern viel öfter nur aus Höflichkeit sagt
+wie Du erkennst, wann ein JA keine Zustimmung ist
+was Themenwechsel bedeutet und wie Du darauf reagieren kannst
+wie Du ein wiederholtes Nachfragen interpretieren kannst und was es mit Verhandlungstaktik zu tun hat und
+wieso ein unterschriebener Vertrag nicht zwangsläufig das oberste Ziel in einer Geschäftsbeziehung ist.

 

 

Viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse beim Anhören

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

https://itunes.apple.com/us/podcast/id1366874160

https://open.spotify.com/show/1x1qkOIpBPOgW23GdzTCrS?si=6gp_-lqwQd6uVEA4HzGKcQ

 

Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näherbringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcast Folge „Deutschland und andere Länder“. In den letzten Folgen ging es um das Thema direkte und indirekte Kommunikation. Mit diesem Thema hängt auch der hohe beziehungsweise niedrigere Kontextbezug zusammen. Und darum geht es in der heutigen Folge. Kulturen, in denen der Kontextbezug wichtig ist, so genannte high-Kontext Kulturen, berücksichtigen in ihrer Kommunikationsweise auch die Umstände und Personen drum herum, also den Kontext. Ihr Fokus liegt auf persönlichen Beziehungen und darauf, das Gesicht zu wahren. Deswegen bevorzugen sie, indirekt zu kommunizieren. In low- Kontext Kulturen, also diejenigen mit geringem Kontextbezug, liegt der Fokus eher auf der Sache. Menschen dieser Kulturen legen mehr Wert auf schriftliche Kommunikation und auf Effizienz sowie Knappheit der Information. In Deutschland bevorzugen wir zum Beispiel auch E-Mails anstatt Telefonaten, da wir weniger Kontext und Umstände berücksichtigen müssen, wie zum Beispiel das Alter, die Hierarchie, die Beziehungen Zwischen Chef und Mitarbeiter, Mann und Frau, und so weiter. In diesen Kulturen drücken wir uns sehr direkt aus. Ich habe euch ein paar Beispiele mitgebracht, damit ihr den Unterschied zwischen high- Kontext und low-Kontext Kulturen verstehen könnt.

  1. „Ich hätte da eine kleine Anmerkung zu machen“

In einer low- Kontext Kultur Nehmen wir dies wörtlich.  Wir gehen davon aus, dass der Sprecher sich nicht sicher ist bezüglich seiner Anmerkung.  In einer high- Kontext Kultur bedeutet dies aber: „Es gibt große Probleme.“ In Kulturen, in denen es sehr wichtig ist, das Gesicht zu wahren, möchten wir nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.  Wenn in einer high- Kontext Kultur der Chef zu seinen Mitarbeitern, die einen Bericht für ihn angefertigt haben, sagt: „Ich hätte da eine kleine Anmerkung zu machen“, heißt dies in der Regel, dass er mit dem Bericht komplett unzufrieden ist. Aber er möchte seine Mitarbeiter nicht direkt vor den Kopf stoßen. Durch diese Formulierung stellt er den Fehler als unwichtig dar und erlaubt es seinem Mitarbeiter, mit erhobenem Kopf das Büro verlassen zu können.  Und trotzdem kann nach dieser Aussage eine Liste mit Anweisungen kommen, was alles geändert werden muss. Der Mitarbeiter versteht, dass der Bericht nicht gut war, Kann aber trotzdem seinen Stolz behalten, da der Chef den Anschein gegeben hat, dass es sich nur um Kleinigkeiten handele.

  1. „Ja.“

Direkt heißt das Wort „ja“ Zustimmung, Akzeptanz und Verständnis. Indirekt signalisiert es, dass der Zuhörer gehört und verstanden hat, nicht aber unbedingt, dass er dem Gesagten auch zustimmt.

  1. Schweigen und Stille

In einer direkten, low-Kontext Kultur denken wir, der Zuhörer widerspricht nicht und ist einverstanden. In einer high-Kontext Kultur heißt Schweigen, dass es noch nicht an der Zeit ist, dieses Thema zu diskutieren.  Alles passiert zum richtigen Zeitpunkt.

  1. Themenwechsel

In einer direkten Kultur denken wir, die Person ist etwas chaotisch und hat vielleicht nicht richtig zugehört. In einer indirekten Kultur bedeutet ein Themenwechsel Konfliktvermeidung. Wir möchten nicht mehr darüber sprechen und durch einen Themenwechsel können wir der anderen Person sanft signalisieren, dass wir jetzt noch nicht bereit sind, dieses Problem in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

  1. Wiederholtes Nachfragen

In einer low-Kontext Kultur könnte man denken, dass die Person die getroffene Entscheidung Vergessen hat oder sich dessen nicht bewusst ist, dass der Punkt bereits diskutiert wurde. In einer high-Kontext Kultur heißt das höchstwahrscheinlich, dass man mit der getroffenen Entscheidung nicht einverstanden ist.  Man bietet damit also einen Diskussionsanfang und die Grundlage für weitere Debatten. Mit dieser Verhandlungstaktik wird ein vielleicht bereits unterschriebener Vertrag erneut zum Diskussionsthema.

  1. Phrasen wie: „vielleicht“, „ich hoffe“, „es könnte sein, dass…“

Direkt drücken diese Phrasen Möglichkeiten aus.  Indirekt werden damit Probleme ausgedrückt.  Zum Beispiel kann ein freundliches „vielleicht später“ eine klare Absage darstellen.

  1. In einer Verhandlung oder Besprechung wird ein Punkt nicht angesprochen

In einer low-Kontext Kultur gibt es zu diesem Punkt einfach nichts zu sagen und er ist unwichtig. In einer high-Kontext Kultur stellt der ausgelassene Punkt ein Konfliktpotenzial dar und die Zeit ist noch nicht reif, um diesen offen auszutragen.

Ich hoffe diese sieben Beispiele haben dir dabei geholfen die high-Kontext und low-Kontext Kulturen auseinander zu halten und helfen Dir in Deiner internationalen Karriere Menschen, die indirekt kommunizieren, zu verstehen. Wenn das der Fall ist, dann freue ich mich über eine fünf Sterne Bewertung auf iTunes, damit hilfst du mir, diesen Podcast sichtbar zu machen und andere Menschen zu erreichen.

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