#32 Direkte und Indirekte Kommunikation 3/5: Kritik, Feedback, Schuld und Scham


Kritk äußern, Feedback verstehen, Fehler zugeben in der Schuld- und Schamkultur

 

Die Konzepte der Schuldkultur und der Schamkultur helfen uns dabei nachzuvollziehen, warum in vielen Ländern der Welt indirekt kommuniziert wird. Was sich unter den Begriffen der Schuldkultur und einer Schamkultur verbirgt und wie diese mit der Kommunikation zusammenhängen, verrate ich Dir in der heutigen Folge. Dadurch verstehst Du nicht nur, dass sich Menschen in fremden Ländern bei Kritik, Feedback und Fehlern anders verhalten, als Du es in Deutschland gewohnt bist, sondern Du verstehst auch WARUM.

 

 

 

Viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse beim Anhören

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

https://itunes.apple.com/us/podcast/id1366874160

https://open.spotify.com/show/1x1qkOIpBPOgW23GdzTCrS?si=6gp_-lqwQd6uVEA4HzGKcQ

 

 

 

Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näherbringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

In den letzten Folgen habe darüber gesprochen, dass Deutschland direkt und die anderen Länder indirekt kommunizieren. Der eine oder andere mag sich denken: „Warum machen die anderen das so kompliziert?“, „Warum sagen sie nicht einfach direkt, was sie meinen?“, „Das dauert doch viel zu lange“ oder „Das Leben könnte doch viel einfacher sein“. Doch das können sie nicht, weil dort wo eine indirekte Kommunikation zu finden ist, meistens eine Schamkultur und keine Schuldkultur vorherrscht.

Um zu verdeutlichen, was genau unter einer Schuldkultur zu verstehen ist, nehmen wieder ein Beispiel. Stellen wir uns vor, dass eine Person im Betrieb oder im privaten Leben einen Fehler gemacht hat. Da gibt es einerseits die Frage: Habe ich wirklich den Fehler gemacht? Ja oder nein? Auf der anderen Seite stellt sich die Frage: Was denken die anderen darüber? Meinen sie, dass ich für den Fehler verantwortlich bin? Oder wissen sie es nicht oder haben sie einfach keine Meinung dazu? Nehmen wir an, ich habe den Fehler nicht gemacht und alle anderen sind auch derselben Überzeugung. Bei diesem Szenario gibt es kein Problem. Wenn ich den Fehler nicht gemacht habe, aber alle anderen der Meinung sind, dass ich sehr wohl für diesen verantwortlich bin, protestiere ich und klage mein Recht. Ich sage: „Leute, ich war’s nicht“. Ich sorge dafür, dass jeder weiß, dass ich nicht der Schuldige bin. Wenn ich den Fehler tatsächlich gemacht habe und jeder andere es weiß, bin ich schuldig und werde bestraft. Wenn ich den Fehler gemacht habe, aber niemand es mitbekommen hat, plagt ich dennoch ein schlechtes Gewissen, weil ich weiß, dass der Fehler meine Schuld war.

Wie sieht die gleiche Situation in einer Schamkultur aus? Wenn ich den Fehler nicht gemacht habe und alle anderen auch darüber Bescheid wissen, ist das erneut kein Problem. Wenn ich den Fehler gemacht und alle anderen das auch wissen, bin ich schuldig und muss mit Konsequenzen rechnen genau wie in der Schuldkultur. Wenn ich den Fehler nicht gemacht habe, alle anderen jedoch der Überzeugung sind, dass ich der Verantwortliche bin, bin ich beschämt und entehrt. Ich bekomme rote Wangen, zitternde Hände und ein sehr unangenehmes Gefühl. Denn in Schamkulturen ist es nicht so wichtig, was ich von mir selbst denke, sondern das was alle anderen von mir halten. Das stellt auch eine Eigenschaft der kollektivistischen, also der gruppenorientierten Kulturen, dar. In diesen wird das Individuum als Teil der Gruppe betrachtet und orientiert sich an der Gruppe. Deswegen zählt die Meinung der Gruppe viel mehr als die des Individuums. Wenn ich den Fehler gemacht habe, es aber niemand mitbekommen hat, denkt sich die Person aus der Schamkultur: „Keiner weiß es, alles ist also super“. Was die anderen von einer Person halten, ist wichtiger als die Fakten.

Damit niemand beschämt und entehrt wird und das Gesicht verliert, ist es notwendig, indirekt zu kommunizieren. Das ist insbesondere bei Fehlern der Fall. Es wird nicht direkt mit dem Finger auf die Person gezeigt, obwohl wir wissen, dass diese den Fehler begangen hat. In einigen Ländern ist der Ruf, das Gesicht, die Ehre und die Würde das höchste Gut. Wenn das verloren geht, kann es sogar so weit gehen, dass die betroffene Person Selbstmord begeht. In Schamkulturen werden Fehler über drei Ecken angesprochen. Es wird um den heißen Brei herumgeredet. Eine andere Person wird eingeschaltet, die unter vier Augen sehr vorsichtig auf den Fehler hinweist. In einer Schamkultur wird das Problem nicht auf den Tisch gepackt und in einem Meeting besprochen, da die Person ihr Gesicht verlieren würde. Probleme werden deshalb lieber unter den Teppich gekehrt.

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