#30 Direkte und indirekte Kommunikation 1/5: Vier Seiten einer Nachricht


Interkulturelle Kommunikation: Die 4 Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun

In dieser Folge gebe ich Dir eine Einführung in die Unterschiede zwischen der direkten und indirekten Kommunikation. Dazu nutze ich das Modell der vier Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun. Diesem zufolge besitzt eine Aussage nicht nur eine Bedeutung, sondern wir kommunizieren auf 4 Ebenen: auf der Sachebene, der Appellebene, der Beziehungsebene und auf der Ebene der Selbstkundgabe. Um die verschiedenen Bedeutungen einer Nachricht zu verstehen, hörst Du interessante und unterhaltsame Beispiele aus dem Alltag.

 

 

Viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse beim Anhören

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

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Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näherbringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

Letzte Woche habe ich darüber gesprochen, dass die Deutschen sehr direkt sind, wohingegen in den meisten Ländern der Welt sehr indirekt kommuniziert wird. Doch wie können wir Nachrichten entziffern? Genau damit beschäftigen wir uns heute: Es geht nämlich um die vier Seiten einer Nachricht.

Der Kommunikationsprofessor Schulz von Thun entwickelte das Konzept der vier Seiten einer Nachricht. Ihm zufolge enthält jede Nachricht einen Sachinhalt, eine Appellseite, einen Beziehungshinweis und eine Selbstoffenbarung. Bei dem Sachinhalt geht es um die Frage: Worüber wird informiert, während bei dem Appell die folgende Frage beantwortet wird: Wozu möchte ich Dich veranlassen? Der Beziehungshinweis gib uns Auskunft über die Frage: Was halte ich von Dir? Wie stehen wir zueinander? Bei der Selbstoffenbarung geht es um die Frage: Was gebe ich von mir kund?

Wenden wir das nun auf ein praktisches Beispiel an. Stellen wir uns vor, dass Helga und Klaus im Auto sitzen, wobei Helga diejenige ist, die fährt. Klaus sagt: „Helga, die Ampel ist grün“. Was sind die vier Seiten dieses Satzes? Rein sachlich informiert Klaus Helga über die Farben der Ampel. Die Sachinformation lautet: Die Ampel ist grün. Höchstwahrscheinlich geht es jedoch nicht allein um die Farbe der Ampel, sondern um einen Appelle, welcher fordert: „Fahr endlich“. Der Beziehungshinweis lautet: „Ich darf Dir das sagen“. Die Selbstoffenbarung von Klaus zeigt, dass er folgendes denkt: „Ich bin der bessere Fahrer als Du“. Daraufhin antwortet Helga: „Klaus, wer fährt? Du oder ich?“ Rein sachlich, handelt es sich um eine Frage, die herausfinden soll, wer gerade fährt. Höchstwahrscheinlich will Helga nicht darüber informiert werden, wer fährt. Das weiß sie nämlich, da sie selbst am Steuer sitzt. Deshalb gibt es indirekt die anderen drei Seiten. Auf der Appellseite will sie Klaus sagen: „Sei still“ oder „Halt die Klappe“. Der Beziehungshinweis lautet: „So solltest Du nicht mit mir sprechen“, während ihre Selbstoffenbarung mitteilt: „Ich bin eine gute Fahrerin.“

In der Kommunikation gibt es also den Sender und den Empfänger. Der Sender hat diese vier Mundarten: den Sachinhalt, den Appell, den Beziehungshinweis und die Selbstoffenbarung. Der Empfänger kann die Nachricht jedoch auch mit vier verschiedenen Ohren hören. Das Sachohr des Empfängers fragt sich: Worüber werde ich rein auf der Faktenebene informiert? Das Appellohr will folgendes heraushören: Wozu will mich der Sender veranlassen? Die Personen, die mit dem Appellohr hören, haben das sogenannte Helfersyndrom. Wenn jemand etwas sagt, denken sie, dass es ein Appell, eine Bitte, an sie ist. Das Beziehungsohr grübelt: Was will der Sender von mir oder wie stehen wir zueinander? Das Selbstoffenbarungsohr denkt sich: Was gibt der Sender von sich kund?

Machen wir das Model anhand eines Beispiels aus dem Geschäftsleben deutlich. Der Verantwortliche für das Angebotswesen, also der Sender einer Nachricht, geht in das Büro eines Kollegen, welcher der Empfänger der Nachricht ist. Ersterer fragt: „Peter, ist das Angebot an Daimler schon raus?“ Der Kollege antwortet: „Wenn es Dir nicht schnell genug ist, dann erstelle es bitte selber“. Was hat das zur Bedeutung? Es kann tatsächlich sein, dass die Person, die die Frage nach dem Angebot stellt, mit einer neutralen Stimme lediglich wissen wollte, ob das Angebot schon herausgeschickt worden ist. Womöglich möchte er an dem Angebot noch etwas korrigieren. Der Empfänger der Nachricht hat es wahrscheinlich nicht mit einem Sachohr gehört, sondern mit einem der anderen Ohren, höchstwahrscheinlich mit dem Appelle- oder mit dem Beziehungsohr. Immerhin hat er beleidigt geantwortet, dass die andere Person sich selbst um das Verschicken des Angebots kümmern solle. Hätte er die Nachricht mit dem Sachohr gehört, wäre die Antwort „Ja“ oder „Nein“. Stattdessen nimmt der Empfänger die Nachricht aus einem Beziehungsohr wahr, und zwar nach dem Motto: Die Person hat jetzt die Macht, die andere Person zu ermahnen oder auch aus dem Appellohr, wodurch die Nachricht als eine Aufforderung verstanden wird, das Angebot endlich abzuschicken. Der Empfänger versteht die Nachricht also vielleicht sogar als Gegenteil von dem, was der Sender in Wirklichkeit meinte.

Weltweit gesehen hören die Deutschen sehr oft mit dem Sachohr und sprechen auch mit dem Sachmund. In den meisten anderen Ländern der Welt geht es nicht so direkt zur Sache. Stattdessen wird indirekt entweder ein Appell, ein Beziehungshinweis oder eine Selbstoffenbarung dargelegt.

In der nächsten Folge bringe ich den Unterschied zwischen indirekter und direkter Kommunikation und die vier Seiten einer Nachricht anhand des folgenden Beispiels näher: Eine Deutsche bietet einer Chinesin einen Tee an. Diese erwidert höflich: „Nein, danke“. Doch meint sie wirklich nein? Was hören die vier Ohren der Deutschen heraus? Was wollte die Chinesin auf den vier Ebenen der Nachricht tatsächlich sagen?

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