#25 Kokosnüsse und Pfirsichkulturen: Harte Schale weicher Kern und umgekehrt


Was halten Deutsche und US Amerikaner voneinander?

Was haben typische Eigenschaften von Kokosnüssen (harte Schale – weicher Kern) und Pfirsichen (weiche Schale – harter Kern) mit den typisch deutschen und amerikanischen Kulturmerkmalen und ihrer Mentalität zu tun? Inwiefern führen diese Unterschiede zu Konflikten und Missverständnissen zwischen Deutschen und US Amerikanern? Und wie gelingt ein leckerer interkultureller Salat? Das und mehr verrate ich in der heutigen Folge von „Deutschland und andere Länder“.

 

 

Viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse beim Anhören

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

https://itunes.apple.com/us/podcast/id1366874160

https://open.spotify.com/show/1x1qkOIpBPOgW23GdzTCrS?si=6gp_-lqwQd6uVEA4HzGKcQ

 

Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk“ – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näher bringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

In der gestrigen Folge habe ich Dir neun Tipps für die interkulturelle Kommunikation mit den US-Amerikanern gegeben. Was die Export- und Importzahlen angehen, könnten viel mehr Geschäfte zwischen den USA und Deutschland gemacht werden, als das aktuell der Fall ist.  Deals fallen immer wieder ins Wasser, Kooperationen scheitern und Projekte werden nicht zu Ende gebracht. Das Resultat ist Frust, verschwendete Zeit und Energie und vor allem verhärtete Fronten. „Warum sind diese Amis nur so faul?“ „Mr. Johnson hat schon wieder die Deadline nicht eingehalten, interessiert ihn unser Projekt überhaupt noch?“ „Warum sind die Deutschen so kalt und reserviert?“ Das sind die gegenseitigen Vorwürfe, die die beiden Kulturen über einander hören.

Um das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern zu erklären, gibt es eine schöne Metapher: Kokosnuss- und Pfirsichkulturen. Der deutsch-amerikanische Psychologe Kurt Lewin hat sich genau diesem Phänomen gewidmet und eine simple Erklärung gefunden: Die Welt ist wie ein interkultureller Obstsalat. Wir Deutschen sind die Kokosnüsse, während die Amerikaner den Pfirsichen gleichkommen. Wirft man die Zutaten für den interkulturellen Salat einfach so und ohne weiteres in eine Schüssel, ohne vorher einen Blick in das Rezeptbuch geworfen zu haben, kann er schnell zum Misserfolg werden.

Ich erkläre Dir, auf welche Art und Weise unterschiedliche Kulturen Persönliches über sich preisgeben und helfe Dir, Dich auf den nächsten Kontakt mit internationalen Partnern, egal ob Handelspartner oder Freunde, einzustellen.

Kokosnüsse und Pfirsiche unterscheiden sich vor allem in ihrem Kern und ihrer Schale: Kokosnüsse haben eine harte Schale und einen weichen Kern, Pfirsiche verfügen über eine weiche Schale und einen harten Kern. Die Schale der Kokosnuss muss zuerst geknackt werden, die Schale eines Pfirsichs hingegen gibt sehr schnell nach. Erst später, wenn man am Kern angelangt ist, muss man sich der Herausforderung stellen, auch diesen zu knacken. Bevorzugt wachsen unsere interkulturellen Kokosnüsse in Deutschland, Frankreich und Russland, während die Pfirsiche in Amerika, Spanien und Lateinamerika zu finden sind.

Im Folgenden zeige ich dir schrittweise, wie Du einen leckeren interkulturellen Obstsalat zubereiten kannst.

Schritt 1: Das Obst schneiden.

Kokosnüsse und Pfirsiche bieten unterschiedliche Herausforderungen beim Schneiden, da Schale und Kern verschieden aufgebaut sind. Der Kern entspricht dabei dem privaten und persönlichen Bereich, während die Schale die öffentliche Sphäre darstellt, das was gerne nach außen auch für Fremde und Unbekannte preisgegeben wird. Auf internationale Beziehungsbildung bezogen bedeutet dies, dass in Deutschland die öffentliche Sphäre sehr schmal ist, weil die Schale schwer zu knacken ist. Hier werden nur wenige Auserwählte in den privaten Bereich zugelassen. Das entspricht dem, worüber sich die Amerikaner über die Deutschen beschweren: „Die Deutschen sind so kalt, reserviert und distanziert. Es dauert ewig bis das Eis gebrochen ist und bis man einen Deutschen sozusagen knackt“. Aber wenn man einen Deutschen erst einmal als Freund gewonnen hat, ist das eine Freundschaft fürs Leben. Ist man einmal drinnen, bleibt man auch drinnen und kann die süße Milch einer Kokosnuss genießen.

Bei den Amerikanern verhält es sich genau andersherum. Der öffentliche Bereich ist sehr groß, man durchbricht die Schale sehr leicht und kommt zum süßen Fruchtfleisch. Die Deutschen sagen aber über die Amerikaner, dass es sehr schnell und leicht ist, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Sie erzählen Dir in der ersten Minute ihre Cholesterinwerte und laden Dich sofort nach Hause ein. Ist man dann zuhause, sagen sie: „Hier ist der Kühlschrank. Bediene Dich“ oder „Da steht mein Auto, kannst Du benutzen, wenn Du einen Ausflug machen willst.“ In Deutschland würden wir eher sagen: „Hier ist meine Frau, aber lass mein Auto in Ruhe“, natürlich mit Augenzwinkern. Der Deutsche behauptet ebenso, dass es schwer ist, eine Freundschaft zu knüpfen, weil es für ihn sehr oberflächlich erscheint und die Freundschaft nicht tiefgründig ist. Der private Kern ist doch nicht so einfach zu knacken ist, wie das in Deutschland langfristig der Fall wäre.

Schritt 2: Abschmecken.

Auch wenn die Amerikaner Außenstehende schnell in ihre öffentliche Sphäre lassen, kann es lange dauern vollstes Vertrauen zu erlangen. Der Satz „He’s my best friend but I forgot his name“  fasst diese Situation sehr gut zusammen. Amerikaner wirken oft sehr freundlich, da sie bemüht sind, einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen. Pfirsiche wollen andere nicht mit ihren Problemen oder ihrer schlechten Stimmung belasten. Auf die Frage „How are you?“ wird man grundsätzlich die Antwort „I’m fine!“ erhalten. Im Gegensatz dazu ist es unter Deutschen ganz normal, auch mal die schlechte Stimmung offen zu zeigen oder mitzuteilen. Das passiert kurz und knapp, aber der Wahrheit entsprechend.

Schritt 3: Das Dressing.

Erst durch das richtige Dressing werden die Geschmäcker der einzelnen Zutaten zur Geltung gebracht und treten in kulinarische Symbiose. Wie bringt man Kokosnüsse und Pfirsiche am besten zusammen? Da wir keinen schlecht schmeckenden Salat voller Vorurteile kreieren möchten, sollten wir uns solcher Fettnäpfchen im Voraus bewusstwerden. Durch ihre durchweg positive Art können Amerikaner von Deutschen schnell als oberflächlich, aufgesetzt und künstlich angesehen werden. Auf der anderen Seite wirken Deutsche steif und abweisend.

Wer wissen möchte, wie man einen Salat mit gutem Dressing zur Perfektion bringt, kann diese 3 Tipps beachten:

  • Gerade wenn Kokosnüsse global arbeiten, sollten sie mehr Energie in das Bilden von Beziehungen stecken. Auf deutschen Partys sprechen meist nur diejenigen miteinander, die sich bereits kennen. In Amerika ist das anders: Pfirsiche sind offen und unterhalten sich in ungezwungener Atmosphäre schnell über private Themen. Networking ist hier besonders wichtig. Gegenseitige Anerkennung durch Lob, auch wenn er uns übertrieben vorkommen kann, und eine freundliche Atmosphäre werden im Arbeitsalltag großgeschrieben.
  • Probleme können auch schnell durch die verschiedenen Arbeitsweisen von Pfirsichen und Kokosnüssen auftreten. Pfirsiche arbeiten nach der sogenannten Cowboymentalität: „Shoot, aim, shoot again“. Das heißt: Ich mache einfach, gucke wie es wird und korrigiere es gegebenenfalls. Die Deutschen hingegen treten sehr analytisch auf. Sie handeln nach dem Prinzip: „Aim, aim, aim, shoot“. Hier wird sehr viel Zeit im Voraus für die Planung verwendet, bevor man ins Handeln kommt. Man sagt auch: Deutsch ist die Sprache der Dichter und Denker. Amerikanisch hat viel mehr Verben. Das spiegelt sich auch im Satz „Let’s do it“ wieder. Es ist allein schon durch diese sprachliche Programmierung einfacher, ans Eingemachte zu gehen. Zu viel Analyse kann auf Pfirsiche lähmend wirken, für sie gerät das Projekt ins Stocken. Werde Dir der unterschiedlichen Arbeitsstile bewusst und geh aufeinander ein. Nur so können wir voneinander lernen und das Beste aus allem herausholen. Weil die Deutschen Meister der Planbarkeit und Vorhersehbarkeit sind, können uns die Amerikaner aus einer unvorhergesehenen Situation dank ihrer unterschiedlichen Einstellung zu Zeit und Arbeit herausholen.
  • Falls es dennoch zu Problemen kommen sollte, sollten Deutsche Amerikanern regelmäßig Feedback geben und viel mit ihnen kommunizieren. Feedback sollte am besten nach dem Sandwich Prinzip erfolgen: Zuerst kommt Lob, dann Kritik, anschließend wieder Lob, damit die angenehme Atmosphäre beibehalten bleibt. Beim Kritisieren sagen die Amerikaner: „If you don’t have anything nice to say don’t say anything at all“.

Schritt 4: Geschmäcker sind verschieden.

Manchmal passiert es, dass man sich ganz genau an das Rezept hält und der Salat am Ende doch nicht schmeckt. Bedenke, dass Geschmäcker verschieden sind. Genauso nehmen Menschen aus verschiedenen Kulturen andere unterschiedlich wahr. Während wir Deutschen die Amerikaner vielleicht als aufgeschlossen sehen, wirken dieselben Amerikaner für Mexikaner unemotional, steif und seriös. Kulturelle Eigenschaften sind relativ, es kommt immer auf den Standpunkt an.

Nicht nur zwischen Nationen werden kulturelle Unterschiede sichtbar, sondern auch zwischen verschiedenen Regionen. So sind die meisten Spanier zwar Pfirsiche, dennoch würden die Katalanen eher zu den Kokosnüssen und die Andalusier zu den Pfirsichen Spaniens gehören. In Deutschland sind die Bayer die klassischen Kokosnüsse, die Rheinländer, vor allem die Kölner, weisen dagegen im Deutschland-Vergleich eher die Eigenschaften der Pfirsiche auf. Im weltweiten Vergleich zählen sie wiederum eher zu den Kokosnüssen. Wie Einstein schon sagte: „Alles ist relativ“.

Ich gebe Dir ein deutsches Beispiel, damit Du es nachempfinden kannst. Meine Freunde, die von Köln nach München umgezogen sind, sagen teilweise auch nach ein paar Monaten und Jahren, dass sie noch nie wirklich mit den Bayern warm geworden sind. Wenn sie zu den Menschen in München Kontakt haben, dann sind das meistens Zugezogene. Es ist schwierig, das Eis durchzubrechen. Hier begegnet uns wieder die Falle der Kokosnuss. Wenn man einen Bayer erst einmal als Freund gewonnen hat, ist es jedoch eine lebenslange Freundschaft. Wenn man einmal drinnen ist, kann man sich in der Kokosnuss viel länger baden, als das in Köln der Fall ist. In Bayern brauchen wir oft einen echten Bayer, der uns in die richtigen Kreise einführt. Die Bayern sagen über Kölner, dass man sehr schnell ins Quatschen kommt. Man kann alleine in ein Lokal gehen und wird auf ein Kölsch eingeladen, bei 0,2 Litern zum Erstaunen des Bayerns. Am nächsten Tag kennt man sich allerdings nicht mehr. Hier in Deutschland gibt es also auch die Pfirsiche und die Kokosnüsse.

Jetzt bin ich neugierig. Welche Erfahrungen hast Du mit den Pfirsich- und den Kokosnusskulturen gemacht? Wenn Du Lust hast, teile es unten in den Kommentaren, in den sozialen Medien, auf der Website oder wo auch immer Du über diesen Podcast erfahren hast oder ihn Dir anhörst. Wenn Du interessant findest, was Du hier von mir zu hören bekommst, freue ich mich sehr als Dankeschön über eine Bewertung insbesondere auf iTunes. Danke und bis morgen!

Mehr zu diesem Thema findest Du hier:

 

Vom interkulturellen Obstsalat: Pfirsich- und Kokosnuss-Kulturen

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