#17 Fit für Polen 2: Indirekt kommunizieren und zwischen den Zeilen lesen


Was ist der Grund für die polnische Höflichkeit und „durch die Blumen“ Kommunikation?

Den Deutschen wird bereits in der Kindheit beigebracht, sich klar auszudrücken und schnell auf den Punkt zu kommen. Deshalb sagen die Deutschen gern direkt, was sie auch tatsächlich meinen. Eine solche Ehrlichkeit und Direktheit ist jedoch in vielen anderen Kulturen ein Tabu, so auch in Polen.

Worauf die Polen bei einem Gespräch Wert legen, warum es dort wichtig ist, zwischen den Zeilen zu lesen und was das mit Polens Geschichte zu tun hat, verrate ich in dieser Folge. Danach wirst Du die Unterschiede und Huntergründe der deutschen direkten und polnischen indirekten Kommunikation besser verstehen.

 

Viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse beim Anhören

Den interkulturellen Podcast „Deutschland und andere Länder“ gibt es auch unter:

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Zusätzlich gibt es hier die Folge zum Nachlesen:

Deutschland und andere Länder mit Anna Lassonczyk“ – Der erste und einzige Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigt, spannende Impulse über fremde Länder liefert, entfernte Kulturen näher bringt und erfolgreiche Menschen mit internationaler Erfahrung interviewt.

In Deutschland werden wir schon im Kindergarten dazu erzogen, dass wir uns klar ausdrücken sollen. Wir hören immer wieder die Phrasen „komm auf den Punkt!“ „bleib bei der Sache“ und „drück dich klar aus“. Wir wollen Zeit sparen und nehmen deshalb den kürzesten und effizientesten Weg um auszudrücken, was wir meinen. Das ist für uns hier das natürlichste der Welt, denn Ehrlichkeit wird als Tugend gesehen. In vielen anderen Ländern der Welt ist es jedoch viel wichtiger, höflich zu sein, und nicht zu direkt sagen, was wir eigentlich wollen. Und dazu gehört auch Polen. Doch woher kommt das? Wieder aus der Geschichte. Polen war für 123 Jahre von der Landkarte verschwunden und hat erst 1918 wieder seine Unabhängigkeit gewonnen. In diesen 123 Jahren, in denen Polen als Land auf der Weltkarte nicht existierte, haben die Menschen natürlich trotzdem die polnische Kultur beibehalten, wollten polnisch sprechen und das Polentum an die Kinder weitergeben. Dies war aber nicht erlaubt und teilweise sogar lebensgefährlich. Deswegen haben die Menschen gelernt, das Wichtige zwischen den Zeilen zu verpacken und so zu kommunizieren, dass nach außen etwas anderes gesagt wird, als tatsächlich gemeint ist.

Deswegen sind die Polen auch Meister darin, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn wir zum Beispiel im Geschäftsleben fragen: „Schaffen Sie diese Aufgabe bis zum Ende des Monats?“ und der Pole sagt „Ja, wir werden unser Bestes tun“. Der Deutsche meint, ein ja ist ein ja. Doch in Polen ist dieser Zusatz „wir werden unser Bestes tun“ bereits ein Hinweis dafür, dass Umsetzung schwierig sein kann. Damit aber der Pole sein Gesicht nicht verliert, will er nicht direkt zugeben, dass er es nicht schafft, sondern sagt stattdessen „es könnte schwierig sein, aber wir gucken, was sich machen lässt.“

Ein anderes Beispiel ist, wenn ein Deutscher einen Vorschlag macht, den ein Pole nicht mag. Es wäre aber in Polen sehr unhöflich, direkt abzulehnen. Deswegen würde der Pole antworten: „Sprechen wir ein anderes Mal darüber“ oder „Ich werde es im Hinterkopf behalten“. Dies ist für den Deutschen ein Zeichen dafür, dass der Pole auf ihn zurückkommen und sich zu einem späteren Zeitpunkt melden wird. Für den Polen bedeutet dies jedoch ganz klar, dass er weder jetzt noch später irgendwann darüber sprechen will, aber er den Deutschen nicht beleidigen möchte. So eine direkte Absage wäre ähnlich höflich, als ob jemandem mit einem kalten Lappen ins Gesicht geschlagen werden würde.

Beim Feedback geben verhält es sich ähnlich. In Deutschland wird Feedback oft mit Kritik gleichgesetzt. Zu verbessernde oder negative Aspekte werden direkt am Anfang genannt. Bei dieser Art des Feedbacks würde der Pole jedoch erneut sein Gesicht verlieren, denn in Polen würden wir eine negative Nachricht eher in Watte verpackt überbringen. Zum Beispiel können wir viele Sachen loben und dabei etwas auslassen. Die feinen Ohren eines Polen würden genau heraushören, dass gerade dieser eine Aspekt ausgelassen wurde, und würden diesen automatisch als Kritikpunkt erkennen. Im privaten Leben haben wir auch in Deutschland Situationen, in denen wir vor allem anhand dessen, wie jemand etwas sagt, entziffern, was wirklich gemeint ist. Wenn eurer Partner oder eure Partnerin dich gemütlich am Freitagabend fragt: „ Schatz, wollen wir am Wochenende ins Kino gehen?“ und du atmest laut aus und antwortest: „joooaaaaahhh….“ dann wird dein Partner oder deine Partnerin wahrscheinlich erkennen, dass du nicht wirklich Lust auf einen Kinobesuch hast. Dasselbe lässt sich in Polen beobachten: Viel wichtiger als der wörtliche Inhalt einer Aussage ist die Art und Weise, wie wir etwas sagen. Eine Faustregel dafür ist: Je länger die Pause vor dem ja, desto wahrscheinlicher ist es, dass das ja in Wirklichkeit nein bedeutet.

In der nächsten Folge erfährst du mehr über die Einstellung zu Regeln, Systemen und den Nationalhelden Polens. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann freue ich mich über deine Bewertung auf iTunes. Damit ist er auch für andere Personen sichtbar und du hilfst mir dabei, den Podcast zu verbreiten.

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