Kulturspezifische Zeitkonzepte…


Anna Lassonczyk Buch

„Kulturspezifische Zeitkonzepte im Kontext interkultureller Kommunikation“

 

Vorwort

Die Zeit fasziniert mich, seitdem ich denken kann. Schon als Kind entdeckte ich, dass fröhliche Momente blitzschnell verlaufen und unangenehme sich unendlich hinziehen; diese Erfahrung machte ich noch, bevor ich die Uhrzeit kennen lernte. Je älter ich wurde, umso mehr hatte ich das Gefühl, dass die Zeit schneller verging. Dann fragte ich mich: Wohin ist La-dolce-Vita verschwunden? Warum leide ich oft während des Besuchs meiner Familie und meiner Freunde in Polen unter dem Gefühl des Zeitverlustes und ärgere mich, wenn es nicht vorangeht? Was ist effizienter: genaue Planung oder Spontanität und Improvisation? Wann, wo und wie viel später darf ich zu einem Treffen kommen, ohne dass es auffällt bzw. mir übel genommen wird? Wie verbindlich sind die Uhrzeit- und Terminvereinbarungen?[1] Überdies, warum versuchen einige Menschen, ständig der Zeit nachzulaufen und wiederholen überfordert und gestresst „Ich habe keine Zeit“, während andere dem Anschein nach endlos viel Zeit haben? Für manche ist jede Minute kostbar; im Gegensatz dazu nörgeln andere darüber, wie langweilig es oft sei und dass sie nicht wüssten, was sie mit ihrer Zeit machen sollten. Ist die Zeit nicht absolut und für jeden und überall gleich? Vielleicht gibt es Kulturen, die eine ganz andere Einstellung zu Zeit haben? Gibt es überhaupt die Zeit? Oder ist es eher ein menschliches Konstrukt, das unser Leben strukturieren soll? Trotz meines großen Interesses für das Phänomen Zeit kam die Idee, sie zum Thema meiner Diplomarbeit zu machen, spontan.

Als der Zeitpunkt für die Festlegung des Diplomarbeitsthemas immer näher rückte, war ich über Weihnachten bei meinen Eltern zu Hause. Schon längst wusste ich, dass ich meine Diplomarbeit über interkulturelle Kommunikation schreiben wollte. Aufgrund der Tatsache, dass ich eine doppelte Staatsbürgerschaft habe, zwischen zwei Kulturen aufwuchs und erst nach dem Abitur auf eigene Faust von Polen nach Deutschland umzog, war ich an dem Thema nicht nur studienbedingt, sondern auch persönlich interessiert. Interkulturelle Kommunikation ist jedoch ein breites Gebiet, das viele Aspekte aufweist und unter Gesichtspunkten mehrerer Wissenschaftsdisziplinen wie Psychologie, Soziologie, Politik, Geschichte, Volkskunde, Philosophie oder Wirtschaft betrachtet werden kann. Bei dem Versuch, es als Diplomarbeitsthema einzugrenzen, kreisten meine Gedanken zuerst um die Spezialisierung auf die interkulturelle Kommunikation zwischen Polen und Deutschen. Da ich mich aber schon relativ viel mit dem Thema beschäftigt hatte, schien mir die Idee nicht mehr reizvoll. Der entscheidende Moment kam, als ich „zufällig“ (wenn es Zufälle gibt) ein Buch über die vierte Generation des Zeitmanagements[2], das meine Schwester einer Freundin zu Weihnachten schenken wollte, auf dem Tisch liegen sah und es mit Begeisterung verschlang. Daraufhin beschloss ich euphorisch, meine Diplomarbeit dem Phänomen „Zeit“ zu widmen.

In Verbindung mit meiner Vorliebe zur interkulturellen Kommunikation kristallisierte sich kurz danach das Thema „Kulturspezifische Zeitkonzepte im Kontext interkultureller Kommunikation“ heraus. Und während ich mich mit der Materie auseinandersetzte, stellte ich immer wieder mit Zufriedenheit fest, dass ich mit der Themenwahl richtig lag und mein Enthusiasmus für den Gegenstand im Laufe des Lesens und Schreibens noch stieg…

 

[1] Dazu fällt mir eine in Deutschland erlebte Situation ein: Eine Freundin mit polnischem Familienhintergrund machte mir einen Uhrzeitvorschlag für ein Treffen; daraufhin fragte ich sie: „Nach der polnischen oder der deutschen Zeit?“ Sie lachte. (Wohl angemerkt: Polen und Deutschland liegen in derselben Zeitzone. Mit der Frage wollte ich die Toleranzschwelle bzw. Wahrscheinlichkeit einer Verspätung herausfinden.)

[2] In Deutschland erschien das Buch unter dem Titel „Der Weg zum Wesentlichen. Zeitmanagement der vierten Generation“ (Covey/ Merrill A.R./ Merrill R.R. 20035)

 

 

Anna Lassonczyk (2008): „Kulturspezifische Zeitkonzepte im Kontext interkultureller Kommunikation“

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Meine Liebslingszeitzitate:

 

Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich
danach fragt, weiß ich es; wenn ich es einem
Fragenden erklären will, weiß ich es nicht.
(Augustinus)

Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert!
(John A. Wheelers)

Als Gott die Welt erschuf, gab
er den Afrikanern die Zeit und
den Europäern die Uhr.
(Autor unbekannt)

Because time is a core system of all cultures, and because
culture plays such a prominent role in the understanding
of time as a cultural system, it is virtually impossible to
separate time from culture at some levels.
(Edward T. Hall)

Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute.
Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.
(Albert Einstein)

Nicht der Fluss fließt, sondern das Wasser.
Nicht die Zeit vergeht, sondern wir.
(Unbekannt)

Yesterday is History,

Tomorrow a Mystery,

Today is a Gift,

Thats why it’s called Present“

(Unbekannt)

As surely as each culture has its spoken language,
each has its own language of time […]

When we take our own time system for granted
and project it onto other cultures, we fail to read
the hidden massages in the foreign time system
and thereby deny ourselves vital feedback.

(Edward T. Hall)

Unsere Zeit ist so aufregend, daß man die Menschen
eigentlich nur noch mit Langeweile schocken kann.
(Samuel Beckett)

Verschiebe nicht auf morgen, was auch bis übermorgen Zeit hat.
(Mark Twain)

„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz.
„Guten Tag“, sagte der Händler. Er handelte mit
absolut wirksamen, durststillenden Pillen. Man
schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt
kein Bedürfnis mehr, zu trinken.
„Warum verkaufst du das?“ sagte der kleine Prinz.
„Das ist eine große Zeitersparnis.
Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart
dreiundfünfzig Minuten in der Woche.“
„Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“
„Man macht damit, was man will…“
„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“,
sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich
zu einem Brunnen laufen…“
(Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)

 

Anna Lassonczyk (2008): „Kulturspezifische Zeitkonzepte im Kontext interkultureller Kommunikation“

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