„Buongiorno“: 7 Tipps zur interkulturellen Kommunikation in Italien


Warum ist Italien für interkulturelle Kommunikation interessant?

 

Italien gilt zwar als Eurokrisenstaat, dennoch konnte es 2016 einen Exportüberschuss in Milliardenhöhe erzielen. Es ist, nach Deutschland und den Niederlanden, das Land mit dem dritthöchsten Handelsüberschuss der EU. Italienische Waren sind beliebter denn je und vor allem China und Japan scheinen ganz verrückt nach ihnen zu sein mit einer zunehmender Produktnachfrage. Deutschland gilt für Italien als wichtigster Handelspartner und importiert 12,6% italienische Waren. Nach der Wirtschaftskrise erholt sich Italien wieder und gewinnt an Aufschwung, dank des Exportüberschusses und der steigenden Nachfrage für italienische Produkte, auch in Deutschland.

 

Rom

Damit Sie sich den wirtschaftlichen Aufschwung in Italien zu Nutzen machen können, verrate ich Ihnen, wie Sie dort erfolgreich Kontakte aufbauen und/ oder Ihren italienischen Kunden, Mitarbeitern bzw. Verhandlungspartnern gegenüber interkulturell kompetent verhalten.

 

Was genau ist interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ist viel mehr als das Wissen über kulturelle Unterschiede und Gepflogenheiten in Zielland. Sie verschafft Ihnen einen Wettbewerbsvorteil, weil sie Ihnen erlaubt, wirkungsvoll und effizient mit Menschen aus anderen Ländern zu kommunizieren, dabei Rücksicht auf kulturelle Andersartigkeit zu nehmen und trotzdem eigene Ziele im Auge zu behalten. Interkulturell kompetente Menschen sind nicht nur auf die extremen Kulturunterschiede  sensibilisiert und eignen sich das nötige Know-How über die verschiedenen Sitten und Verhaltensweisen, sondern viel mehr praktizieren sie die im jeweiligen Land (in unserem Fall Italien) herrschenden Kommunikations- und den Führungsstile, um vor Ort erfolgreich Geschäftsbeziehungen zu etablieren. Sie sind folglich in der Lage, mit der schnell voranschreitenden Globalisierung und Internationalisierung mitzuhalten, weil Sie je nach dem kulturellen Hintergrund des Gegenübers flexibel reagieren können.

Hier bekommen Sie meine sieben hilfreichen Tipps für Interkulturelle Kommunikation mit den Italienern:

1. Privat und Business zu vermischen ist in Italien Gang und Gebe. Ein gemeinsames Essen wird oft genutzt, um eine Beziehung und Kontakt aufzubauen bzw. zu vertiefen. Wundern Sie sich nicht darüber, dass Geschäftsessen möglicherweise erst gegen 20 Uhr stattfinden, denn die Italiener essen in der Regel später zu Abend als wir. Wählen Sie also einen späteren Zeitpunkt zum Essen, wenn Sie einladen, statt den Beginn des Essens gleich nach Sitzungsende am Nachmittag zu setzen. Die Pause dazwischen können Sie für lockeres für Italiener notwendiges Plaudern, oft und gerne über Persönliches zu nützen. Um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, warten Sie lieber bis der Geschäftspartner vom Smalltalk zu Business übergeht, dann sind Sie auf der sicheren Seite.

 

2. Hierarchie und Stolz spielen eine große Rolle in Italien. Eine nicht vorhandene Entscheidungsbefugnis wird gerne überspielt. Stellen Sie also im Vorhinein fest, inwieweit Ihr Gegenüber tatsächlich nicht nur der Zuständige und Verantwortliche aber auch der tatsächliche Entscheidungsträger ist. Wenn Sie auf eine Antwort warten, beachten Sie, dass Entscheidungen die verschiedenen Hierarchieebenen durchlaufen, bevor Sie Ihnen mittgeteilt werden.

 

3. Verspätungen sind in Italien kein Zeichen von Respektlosigkeit, sondern zeugen von einem entspannten Umgang mit Zeit. Hier ist auch Flexibilität gefragt.

 

4. Wenn Sie mit Ihrem italienischen Geschäftspartner etwas Wichtiges oder Kompliziertes schnell klären wollen, dann ziehen Sie ein Telefonat einer E-Mail vor. Schriftliche Nachrichten werden oft ignoriert, da eine mündliche Kommunikation am Telefon oder sogar Treffen und besonders bei schwierigen Angelegenheiten Gespräche vom Auge zu Auge bevorzugt werden und viel üblicher sind als in Deutschland. Am Telefon erreichen Sie Ihre italienischen Partner schneller als per Email und wenn Sie eine schöne persönliche Gesprächsatmosphäre erzeugen, bekommen Sie auch eher eine Zustimmung für das, was Sie brauchen.

 

5. Ein informeller sehr freundlicher, oft humorvoller Umgang miteinander und ein lockeres Klima gehören zu italienischer Kultur, auch im Business. Das „Du“ wird Ihnen oftmals sofort zu Beginn einer Geschäftsbeziehung angeboten. Es wird auch viel mehr, länger und tiefer über Privates und Persönliches gesprochen.

 

6. Seien Sie Körperkontakt gegenüber zur Begrüßung nicht abgeneigt, denn er ist üblich und durchaus erwünscht. Eine gängige Begrüßung sind die Küsse auf die Wange.

 

7. Italiener sind Meister der Improvisationskunst. Wo es dort an Struktur fehlt, machen die Italiener es mit Improvisation wieder wett. Wenn Sie allerdings gemeinsam eine Veranstaltung planen, sollten Sie aufpassen, denn die Italiener sind gerne kurzfristig, zeitnah und spontan in ihrer „Organisation“ bzw. Vorgehensweise. Anders als bei uns, wo vieles Monate im Voraus geplant und genau festgelegt wird. Stellen Sie von vornherein Verantwortlichkeiten klar (die sich allerdings aufgrund der großen Flexibilität auch ändern können), bauen Sie Zwischenschritte ein (z.B. wöchentlich) und üben Sie sich in Geduld. „Es wird schon irgendwie“ ist die Antwort. Ersparen Sie sich die Nerven, dann Sie können davon ausgehen, dass das meiste eh in der sprichwörtlichen letzten Minute erledigt wird und es wie mit einem Wunder trotzdem klappt.

 

Viel Spaß und Erfolg bei der interkulturellen Kommunikation in Italien!