„Shokran“ für die 7 Tipps zur interkulturellen Kommunikation in arabischen Ländern


Stellen Sie sich vor, Sie waren gerade im Nahen Osten, um mit arabischen Firmen Geschäftsbeziehungen zu fördern. Die Verhandlungen sind Ihrer Meinung nach erfolgreich verlaufen, doch nun meldet sich Ihr arabischer Geschäftspartner nicht mehr… Was ist schiefgelaufen?

Tajine Marokko

 

Interkulturelle Fettnäpfchen im arabischen Kulturkreis passieren öfters als es uns bewusst ist

Der deutsche Absatzmarkt in arabischen Ländern nimmt immer weiter zu. Laut Auswärtigen Amt lagen die deutschen Exporte alleine in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jahr 2015 bei 14,6 Milliarden Euro. Neben den VAE und Saudi Arabien, den beiden größten deutschen Exportempfängern im arabischen Ausland, gewinnen wirtschaftliche Beziehungen auch in nordafrikanischen Ländern, in denen Arabisch gesprochen wird, wie beispielsweise Marokko, an Bedeutung. Allein im Bereich des Tourismus des Landes machen nach Angabe des Auswärtigen Amts, Deutsche 10 % aller Touristen aus. Zu dem zählt Deutschland als einer der Hauptlieferanten Marokkos mit 6 % Wareneinfuhr und empfängt 3 % marokkanische Exporte.

Was tun, um an dem Kuchen beteiligt zu sein?

Ihr herausragendes Produkt alleine reicht nicht aus. Der Schlüssel zum internationalen Erfolg ist nicht nur die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit auf der globalen Ebene zu erhalten, sondern auch interkulturelle Kompetenz. Denn was bringt ein herausragendes Produkt, wenn Sie es nicht interkulturell kompetent anbieten können?

Interkulturelle Kompetenz umfasst erstens eine gesteigerte Sensibilität für die Kulturunterschiede, zweitens das Know-How, mit den kulturellen Besonderheiten umzugehen, drittens die Bereitschaft, eigene Ziele auf eine neue, an das jeweilige Land angepasste Art und Weise zu erreichen und nicht zuletzt die Fähigkeit, die Fähigkeit, bei den Anderen das Verständnis für die eigenen Standards, Arbeitsweisen und geprüften Methoden zu schaffen. Die interkulturelle Kompetenz hilft Ihnen sich in den bevorzugten arabischen Zielländern in der fremden Kultur zurechtzufinden und erfolgreich eigene Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Im Oktober 2016 verbrachte Anna Lassonczyk mehrere Tage in Marrakesch (Marokko)  und präsentiert Ihnen hier sieben wichtige Tipps für den Erfolg bei arabischen Geschäftsbeziehungen.

1. Geben Sie stets die rechte Hand Ihrem Gegenüber zur Begrüßung und nutzen Sie diese auch zum Überreichen von Visitenkarten sowie beim Essen. Die linke Hand gilt in arabischen Ländern als unrein und Sie möchten schon bei der Begrüßung einen guten Eindruck hinterlassen.

2. Seien Sie sich über die verschiedenen Zeitdimensionen bewusst. In arabischen Ländern ticken die Uhren anders als in westlichen Ländern, vor allem in Deutschland. Hier wird Zeit entspannter und nicht nach den Zeigern auf der Uhr gesehen. Vieles passiert gleichzeitig und nicht nacheinander. Auch die Bedeutung der Vergangenheit und der Tradition ist größer als im Westen. Es wird kaum langfristig geplant, da das Hier und Jetzt zählt mehr als die Zukunft, die ja eh vom Gott bestimmt sei und ungewiss. Wenn sich der Geschäftspartner Zeit lässt, ist das vollkommen normal. Nehmen Sie sich auch Zeit. Viel mehr Zeit.

Weitere Informationen zum Thema Umgang mit der Zeit finden Sie hier in Anna Lassonczyks Buch „Wenn die Uhr keine Zeiger hat“: Anna Lassonczyk Wenn die Uhr keine Zeiger hatIn Kürze wird zu diesem Thema ein neuer Beitrag erscheinen: „Was können wir von anderen Kulturen über den Umgang mit Zeit lernen“.

3. Betreiben Sie Smalltalk, sprechen Sie z. B. über das Wetter, Hobbys, Privates und Familie (auch wenn es für Sie ungewöhnlich ist), bewundern Sie Sehenswürdigkeiten, örtliche Spezialitäten und Traditionen, mit denen Sie übereinstimmen können. Zeigen Sie, wer Sie als Mensch sind. Schaffen Sie eine Basis, um eine solide Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Und warten Sie mit dem Geschäftlichen, bevorzugt, um sicher zu gehen, bis Ihr Geschäftspartner Sie selbst darauf anspricht. Das ist ein Signal, dass die für jedes Geschäft nötige Beziehungsgrundlage ausreichend geschaffen wurde.

4. Machen Sie sich mit dem indirekten Kommunikationsstil der arabischen Länder bekannt. Feilschen ist ein Bestandteil der arabischen Kultur. Es kommt somit häufig vor, dass das Wichtigste erst am Schluss besprochen wird und viel weniger direkt, wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Lernen Sie zwischen den Zeilen zu lesen, hinterfragen Sie unbedingt unklare und vage Aussagen, denn mit einem „Ja“ kann auch ein „Vielleicht“ gemeint sein. Planen Sie viel mehr Zeit und Verhandlungsspielraum mit ein.

5. Seien Sie vorsichtig bei politischen und religiösen Themen! Hier kann schnell ein Nerv getroffen werden, der die Harmonie der Geschäftsbeziehung stört. Seien Sie dennoch informiert, aber halten Sie sich geschickt zurück, sollte das Gespräch doch auf solch ein Thema kommen. Auch wenn Sie aus Deutschland gewohnt sind Meinungsdifferenzen offen anzusprechen, behalten Sie sicherheitshalber Ihre abweichenden Ansichten für sich, um die in arabischen Ländern für gelungene Geschäfte notwendige angenehme fröhliche Atmosphäre nicht zu stören. Im Zweifelsfall erinnern Sie sich an das Sprichwort: Schweigen ist Gold!

6. Gastfreundschaft hat einen hohen Stellenwert in arabischen Ländern und es wird vorkommen, dass Ihnen Getränke mehrfach angeboten werden. Bieten Sie im Gegensatz dazu, wenn Sie einen arabischen Geschäftspartner einladen, Erfrischungen mehrfach an, sonst wird dieser nicht zugreifen. Sich zu zieren und nicht sofort „Ja“ zu sagen gehört zum guten Ton.

7. Es wird erwartet, dass Sie trotz der hohen Temperaturen angemessene Kleidung tragen, d.h. Anzug und Krawatte sind Pflicht, für Frauen gilt ein Hosenanzug. In Saudi-Arabien sollten Sie als Frau ein traditionelles Frauengewand aus Rücksichtnahme vor der Kultur und Religion tragen.

„Shokran“ (Danke)

Viel Erfolg bei zukünftigen Geschäftsbeziehungen im arabischen Ausland
wünscht Ihnen Anna Lassonczyk und das Intercultural Success Team.

 

Verfasst: von Anita Schmidts, Intercultural Success

 

PS. Weitere wertvolle Tipps zu arabischen Ländern erhalten Sie im interkulturellen Training, wo Sie nicht nur das Wissen gewinnen, aber vor allem den Umgang mit den kulturellen unterschieden trainieren können. Details dazu können Sie hier mehr erfahren.

Seminarbeispiel: Umgang mir arabischen Gästen für die Hotellerie

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